Innovative und erfolgreiche Sprachlehrmethoden für Erwachsene

Das nordamerikanische Forschungsnetzwerk NEȾOLṈEW̱ befasst sich mit besonderen immersiven Lehrmethoden, die Erwachsenen dabei helfen ihre indigenen Sprachen zu erlernen. Ein Großteil dieser Methoden sollen euch auch in unserem Programm dabei unterstützen, die sorbische/wendische Sprache wieder zu sprechen! Unter dem Link findet ihr ein spannendes Video sowie weiterführende Links zu dem Thema.  

"In die Erwachsenen-immersion investieren"

Zorja im Interview mit der obersorbischen Tageszeitung Serbske Nowiny (8.3.2021)

 

 

 

 

Gregor Kliem betont, warum es für Sorbisch/Wendisch notwendig ist, in ein intensives Sprachlernprogramm zu investieren und die Teilnehmer*innen dafür auch zu bezahlen. Hier Link zum Artikel (in obersorbischer Sprache)

Do you speak more than English?

Vom 24.-26. März findet die XVIII Internationale Konferenz für Minderheitensprachen statt -> Online. Registration und Teilnahme von Zuhause möglich! Linguisten, Aktivisten und Vertreter unterschiedlicher Sprachminderheiten weltweit berichten über Ihre Erfahrungen und Herausforderungen in der Weiterentwicklung und im Erhalt ihrer Sprachen. Mit dabei ist auch Dr. Nicole Dołowy-Rybińska mit einem Vortrag über die Revitalisierung des Niedersorbischen/Wendischen als eine der am stärksten bedrohten Sprachen Europas überhaupt!

"Obwohl offizielle Daten von etwa 4.000 Niedersorbisch-Sprechern ausgehen, sind es in Realität möglicherweise weniger als 400 Menschen, die auf Niedersorbisch kommunizieren können. [...] Nach mehr als 20 Jahre andauernden Anstrengungen [zur Revitalisierung], ist die Zahl "neuer Sprecher", welche die Sprache durch formale Bildung gelernt haben und anwenden, minimal."   

"keep speaking, keep listening, keep reading"

Janaye Henry berichtet in ihrem Essay "Taking the leap: My year of full immersion te reo Māori" über ihre Erfahrungen mit einem einjährigen Immersionsprogramm in der Sprache ihrer Vorfahren in Neuseeland. Ein lesenswertes, inspirierendes Beispiel über die Höhen und Tiefen, die mit dem Lernen einer Sprache einhergehen, aber auch die Potenziale von Immersion für Beginner. (in english)

24.02.2021 Rethinking the Language of Language Endangerment SOAS linguistics Seminars

Mit 2021 hat das von der UN deklarierte Jahrzehnt der Indigenen Sprachen begonnen. Gerald Roche (La Trobe University) spricht über die frühere und zukünftige Rolle von Linguisten für den Erhalt sprachlicher Diversität.  

22.02.2021: internationales Webinar zu Methoden immersiven Spracherwerbs.

Das "Network to Promote Linguistic Diversity" (NPLD) der Europäischen Union veranstaltet am 22.2.2021, 12 Uhr ein kostenlose digitales Webinar zu Potenzialen immersiven Sprachenlernens. Im Fokus stehen vor allem Minderheitensprachen. 

7 Mythen übers Sprachenlernen 

Aus Leanne Hinton 2002: How to keep our language alive - A commonsense Approach to One-on-One Language Learning, 1-5. Leanne Hinton, emeritierte Professorin für Linguistik an der University of California, Berkely war eine Schlüsselfigur für das Revival indigener Sprachen in Kalifornien. 

Man braucht einen Klassenraum und einen professionell Lehrenden

Lernen in einem Klassenraum, mit all den Materialien, wie wir es vom Unterricht gewöhnt sind, mag vielleicht komfortabel sein. Aber es ist nicht der einzige Weg. Denke alternativ darüber nach, Sorbisch so zu lernen, wie du die Sprache nutzen möchtest, d.h. im Alltag, in jeder erdenklichen Situation, vom Einkaufen, Kochen, am Essenstisch, Wäsche Machen bis zum Spielen mit deinen Kindern, Fahrten mit dem Auto, Treffen mit Deinen Freunden in der Kneipe usw. Wichtig ist, sich mit der Sprache so oft wie möglich zu umgeben. Man kann auch ohne professionellen Lehrer eine Sprache lernen, man muss kein professioneller Lehrer sein um Sprache zu lehren.

Sprache lernt man durch Schrift

Manche denken, dass man eine Schrift zum Lernen einer Sprache braucht. Das ist falsch. Wenn du lernen willst, eine Sprache zu sprechen und andere Sprecher zu verstehen, solltest du sie durch Sprechen und Hören lernen, nicht durch Lesen und Schreiben. Wörter sollten nach ihrem Klang verinnerlicht werden, nicht nach einem visuellen System. Schrift kann zu einem späteren Zeitpunkt sehr hilfreich und notwendig sein zu moderner Kommunikation. Ist Schrift aber dein Ausgangspunkt, passieren leicht phonetische Fehler. Das beste Beispiel ist im Niedersorbischen das stimmlose “w” am Wortanfang, wie bei “wucba” (Unterricht, sprich: (h)ucba).Es kann dutzende oder hunderte Wiederholungen nötig machen, bis wir ein Wort verinnerlichen. Versuche, ein Wort in unterschiedlichen Kontexten zu hören und zu verwenden. 

Verstehe die Grammatik bevor du Sorbisch lernst

Fühl Dich frei, Grammatik zu studieren. Zum Lernen ist dies jedoch nicht nötig. Grammatische Strukturen können unbewusst erfasst werden. Kinder lernen nicht anders ihre erste Sprache. Zu einem späteren Stadium kann Grammatik hilfreich sein, die Sprache tiefer zu verstehen. 

Übersetzung ist nötig um eine Sprache zu lernen

Eine der größten Fallen ist zu glauben, dass alles übersetzt werden muss. Im Gegenteil! Wenn alles übersetzt wird, lernen wir langsamer. Oder wir verstehen Sorbisch immer nur im Verhältnis zu Deutsch. Das absolute Ziel ist hundertprozentige Immersion, und das heißt, kein Deutsch! Dies ist ein fließender Prozess, der am Anfang nicht gleich umsetzbar ist. Versuche, die Wörter nicht mit ihrer Übersetzung, sondern mit ihrer Bedeutung zu verbinden. Das Wort “cerwjeny” steht für “rot”. Zeig auf etwas im Raum, das dem entspricht, anstelle eine Vokabelliste an die Tafel zu schreiben.

Erwachsene können keine Sprachen mehr lernen

Mit 5 Jahren sprechen Kinder fließend, auch wenn sie noch viele Dinge nicht so elaboriert ausdrücken können. Für Erwachsene erscheint es so schwer. Doch wenn wir wie Kinder für vier oder führ Jahre einer Sprache ausgesetzt wären - wir würden mindestens genauso gut wie Fünfjährige sprechen. Gegeben, dass ein Erwachsener fortgeschrittener denken kann, wird auch seine Sprache fortgeschrittener sein. Es ist unsere Angst vor Fehlern und unser Streben nach Perfektion, das uns Sprachenlernen so schwierig wirken lässt. Freue dich, wie ein Kleinkind über jedes neue Wort, das du kannst! Lehrer oder Mentoren müssen verinnerlichen, dass Sprachenlernen ein langer Prozess ist. Geduld ist gefragt.

Man braucht Geld zum lernen einer Sprache

Geld kann wichtig sein, um z.B. Lernende und Lehrer für ihre Mühen zu entlohnen. Geld kann aber genauso viele Probleme erschaffen, wie es löst. Wenn sich zwei motivierte Menschen treffen, können sie voneinander lernen ganz ohne Geld. Wenn du eine Sprache lernen willst, lern sie jetzt!

Du brauchst die Unterstützung deiner Community / der Sprachgemeinschaft

Sprachrevitalisierung kann mit einem einzigen Individuum starten. Programme, wie das von Leanne Hinton beschriebene “Master-Apprentice”-Programm, kann auch ohne jedliche institutionelle Unterstützung starten. Man braucht nur einen Sprecher, der die Sprache weitergibt und eine/n Lernende/n, die/der sie lernt.